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Mein Herzblut - oder wie ich südafrikanischen Wein sehe


Blogbeitrag vom 25.02.2018 - Ein Treffen mit den Mitbewerbern aus dem Weinhandel ist immer spannend. Denn anders als ich, haben nicht alle Händler ausschließlich südafrikanische Tropfen im Programm. So liegt deren Fokus bei Absatz, Logistik und Kundengewinnung natürlich auch etwas anders als bei mir. Ich führe nur südafrikanische Weine, und das auch nur von Erzeugern, die ich persönlich kenne und besucht habe. Auf all den Reisen in die Winelands vor den Toren Kapstadts bleibt es kaum aus, sich auch mit Land, Leuten und Kultur auseinander zu setzen. Neben dem Wein an sich der spannendste Aspekt in meinem Beruf. Anders als bei einigen Mitbewerbern ist es für mich aber kein Beruf – sondern eher Berufung. Daher ist es nur zu verständlich, dass ich häufig emotional reagiere wo andere rein sachlich argumentieren. Aber das ist für mich als Geschäftsmann, der auch wirtschaftliche Aspekte bedenken muss, kein Widerspruch. Ganz im Gegenteil: Der hohe emotionale Einsatz gibt mir bei meiner Arbeit täglich die Authentizität, die auch meine Kunden – ich nenne sie Genießer – ansteckt. Damit bin ich auch direkt beim Hauptthema: dem Südafrikavirus.

Es gibt ihn wirklich, als solches nicht sichtbar, aber in seinen Auswirkungen doch klar erkennbar bei allen, die ihn in sich tragen. Gerade hierzulande verbreitet er sich rasend schnell. Wie neuste Studien zeigen, kennen eine hohe Zahl von Menschen in Deutschland diesen Virus. Entweder haben sie ihn selbst oder kennen zumindest ein oder mehrere Personen in eigenen Umkreis, die sich „angesteckt“ haben. Das macht es für uns Weinhändler vermeintlich einfach unsere tollen Tropfen aus diesem ebenso tollen Land an den Mann und die Frau zu bringen. Sollte man zumindest meinen. Aber nur weil jemand im eigenen Bekanntenkreis über nichts anderes mehr spricht, als seine letzte Südafrikareise, greift man selbst jetzt nicht unbedingt zu eben solchen Weinen. Die schier unüberschaubare Vielfalt von Weinen aus der ganzen Welt macht es dem Genießer sehr schwer, sich alleine zurechtzufinden. Kompetente Beratung ist absolut gefragt und dringend nötig. Daher beschäftigen große, gut sortierte Lebensmittelhändler auch gerne mal Sommeliers, um den Kunden im Geschäft die Richtung zu weisen. Auch im Internet wird man sicherlich viele Informationen über den eigenen potenziellen neuen Lieblings wein finden. Allerdings mutet die Suche nach diesen Informationen eher nach der Suche der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen an. Südafrika hat zurzeit knapp 550 verschiedene Weinerzeuger. Nicht alle sind in Deutschland erhältlich, doch steigt diese Zahl immer mehr an. Wie also soll man als Genießer zurechtkommen?

Hier kommen wir Fachhändler ins Spiel.
Solche mit gemischtem Programm, also auch Weinen aus anderen Herkunftsländern, pochen gerne auf eine große Vielfalt. Sollte man also feststellen, dass die – meist in geringer Anzahl gelisteten – Weine aus Südafrika dem einzelnen Genießer nicht passen, kann leicht auf Weine anderer Herkünfte gesprungen werden. Das ist sicherlich keine verwerfliche Praxis, bringt die südafrikanische Weinbranche aber nur bedingt weiter.
Fachhändler, die ausschließlich Weine aus einem Produktionsland führen, in unserem Fall aus Südafrika, werden oft als eingeschränkt wahrgenommen. Das sind sie aber bei Leibe nicht. Das richtige Wort heißt: Spezialisten! Sie sind es, die nicht nur einen generellen Einblick in die Vielfalt der südafrikanischen Weinwelt haben, sondern die auch sehr detaillierte Informationen liefern können. Warum sollten sie sich denn sonst spezialisiert haben? Aber hier liegt oftmals der sprichwörtliche Hase im Pfeffer. Eine Weinberatung erfolgt oft nach den gängigen Kriterien. Also Farbauswahl, Alkoholgehalt, Restzuckerwerte und Geschmackseigenschaften. Dies sind unbestreitbar wichtige Faktoren bei der persönlichen Weinauswahl und tragen sicherlich den Hauptteil daran, ob der Wein schmeckt oder nicht. Die Unterscheidung, ob er schmeckt oder nicht, nehme ich bei Weinen anderer Herkünfte allerdings genauso vor. Die südafrikanische Weinbranche und damit auch die entsprechenden Händler haben aber noch viel mehr Pfunde, mit denen sie wuchern können. Hier spielen natürlich alle touristisch geprägten Faktoren eine große Rolle, so zum Beispiel die malerische Landschaft, das meist schöne Wetter und die vielfältigen Ausflugsmöglichkeiten auch außerhalb der Winelands.

Aber die Weinerzeuger haben noch viel mehr im Repertoire. So hat jedes einzelne Weingut eine meist lange, über Generationen währende Geschichte. Die Traubenbauern und Weinerzeuger leben und arbeiten meist in einem innigen und von sich aus eingerichteten Verhältnis mit der Natur. Nachhaltigkeit wird sehr großgeschrieben, und das nicht, weil der Staat dies aufoktroyiert. Südafrika hat eines der modernsten Nachhaltigkeitssysteme der gesamten Wein anbauenden Nationen. Die Winzer vor Ort können sich hier anschließen und haben in der Folge einen riesigen Katalog an Kriterien zu erfüllen, um als äußeres Zeichen und nach erfolgter, unabhängiger Prüfung ein Siegel auf den eigenen Weinflaschen zu bekommen. Die Aussagekraft dieses Siegels ist enorm, auch für den Verbraucher. Leider weiß kaum ein Genießer von südafrikanischen Weinen, was dieser „Aufkleber“ auf der Flasche zu bedeuten hat. Wie kann das sein? Das ist mir unverständlich. Auf jeder Veranstaltung, wie Messen und Genussfestivals, oder den zahlreich von mir durchgeführten privaten Verkostungsabenden mache ich das Siegel und die Nachhaltigkeit zum Thema. Dies mag als recht trockener Stoff empfunden werden, stellt aber für den Genießer einen absoluten Mehrwert da, der auch für seine weiteren Kaufgewohnheiten wichtig werden kann. In meinen Seminaren und Verkostungen ist dies immer der längste Punkt, bevor ich fortfahre über Land und Leute zu schwärmen. Die Teilnehmer nehmen dies immer sehr dankbar an und freuen sich über eine Information, die direkten praktischen Nutzen hat. Leider passiert diese wichtige Aufklärung aber viel zu selten. Ein wichtiges Verkaufsargument wird unter den Teppich gekehrt. Zusätzlich gibt es Stimmen, die fordern, das bestehende Siegel durch ein angeblich einfacher zu erkennendes Symbol zu ersetzen, damit der Genießer – vor allem am Weinregal im Supermarkt – einfacher südafrikanischen Wein erkennen kann. Der Ruf, dass sich die Weinbranche an der Südspitze Afrikas gefälligst in vielen Punkten, dem deutschen Markt und damit vor allem den deutschen Händlern anpassen soll, ist durchaus hörbar. Das ist meines Erachtens gar nicht nötig und kommt ziemlich hochnäsig daher. Die Winzer in Südafrika leben in unsicheren Zeiten. Politik, soziale Belange und Arbeitslosigkeit machen die Lage auch für bestehende Betriebe nicht unbedingt leichter. Dazu kommt die herrschende Wasserknappheit Ende 2017/ Anfang 2018. Des Weiteren ist Deutschland nur eines von mehreren wichtigen Exportländern. Wie vermessen ist das da, lauthals Reformen im Erzeugerland zu fordern, selbst aber unbeweglich zu bleiben. Ein anderes, mehr auf Leidenschaft und Selbstbewusstsein basierendes Beratungssystem für interessierte Genießer ist einfacher umzusetzen, als ein so weit entferntes Land umkrempeln zu wollen.

Nahezu alle Weinbetriebe kümmern sich fast schon liebevoll um ihre Mitarbeiter. So leben meist nicht nur die eigentlichen Angestellten auf der Farm oder in unmittelbarer Nähe, sondern auch deren Familien haben dort ihr Heim. Die Betriebe eines Tals oder eines Ortes kümmern sich meist um die Schulbildung und die Krankenversorgung. Kriminalität und Arbeitslosigkeit ist in den eigentlichen Winelands gerade im Vergleich zu den Werten in Kapstadt sehr gering. Die Kinder der Farmarbeiter haben so den Luxus, sicher und geschützt aufzuwachsen und treten meist gerne auch beruflich in die Fußstapfen der Eltern. Das passiert übrigens nicht nur auf Weingütern, die in diesem Bereich Marketing betreiben und mit der kostenfreien Ausbildung schwarzer Arbeiter und der Förderung weiblicher Angestellter im eigenen Betrieb werben. Natürlich kann man sich als Händler auf solche Betriebe werfen, dieses Thema deutlich herausstellen und mit beruhigtem Gewissen schlafen gehen. Aber den unzähligen Betrieben, die dies tun ohne sich selbst damit ins Rampenlicht zu stellen wird damit keine Rechnung getragen. Anstatt zu betonen, dass diese soziale Seite allenthalben gang und gäbe wird, wird das eigene Engagement mit Hilfe solcher Vorzeigebetriebe in den Vordergrund gestellt. Sicherlich auch eine Möglichkeit.

Ich halte es lieber damit, nicht nur als Botschafter der Weingüter aufzutreten, die ich selbst im Programm habe. Das passiert automatisch und liegt in der Natur der Sache. Ich sehe mich als Vertreter und Botschafter eines Landes, welches es mehr als verdient hat auch in Zukunft positiv in aller Munde zu sein. Denn Land und Leute sind, trotz oder vielleicht wegen aller sozialen Probleme, außergewöhnlich liebenswert. Wir Europäer aus den großen Industrienationen können uns oftmals eine Scheibe abschneiden, wenn es um die allgemeine Lebenseinstellungen geht. Wirtschaftlicher Erfolg hat nicht den überhöhten Stellenwert wie hierzulande. Das Leben gehört auch in unsicheren Phasen gefeiert. Das können wir auch tun. Am besten mit einem Schluck lebensfrohen südafrikanischen Wein, vielleicht bei einem guten Buch oder nach getaner Gartenarbeit im heimischen Liegestuhl. Ein bejahendes Lebensgefühl kann ich mir überall bereiten. Ein wenig Südafrika im Herzen kann dabei nicht schaden.
Und so bleibe ich dabei: Ich empfehle auch weiterhin südafrikanische Weine, lasse es dabei aber nicht bewenden. Ganz im Gegenteil: Ich werde immer das südafrikanisches Lebensgefühl mittransportieren. Ich kann auch nicht ohne dieses leben. Und warum nicht teilen?